Freundinnenschaft macht Stadt! Ein feministisches Manifest zu Kollektivität als urbane Praxis und soziale Infrastruktur

Sie sind oft stigmatisiert als toxisch und konkurrenzbehaftet, werden verbannt in private Räume, unsichtbar gemacht in stadtgeografischen Diskursen: urbane Freundinnenschaften. Dabei sind sie ein wichtiger Teil der Stadt(forschung) – als Überlebenstaktik in einer patriarchalen Kultur, als solidarische Schwesternschaft, cis-männlich dominierende Ordnungen herausfordernd, als kollektive Performance des alltäglichen ‚city-making‘. In ihrem intimen Zusammenhalt fechten Freundinnenschaften Machtverhältnisse an. Sie handeln mutig, utopisch, störend über heteronormative Standards hinaus. Freundinnenschaften verkörpern die zärtliche Kooperation über Differenzen hinaus, trotz der so oft sexistischen Architekturen, der Ungleichverteilung an Raum und der stetig drohenden Gefahr sexueller Übergriffe. 

Freundinnenschaften, oft unbeachtet von akademischen Agenden, schaffen Stadt(forschung): Im Zusammensein eröffnen sie Möglichkeiten der Aneignung, der Emanzipation, des Empowerments. Sie sind eine Lebensart, sorgende Netzwerke, um heterogene Diskriminierungen und Grenzen zu überwinden, Stadt(gesellschaft) neu zu denken. In einem Manifest, das auf unserer eigenen Freundinnenschaft ‘as a way of life and research’ beruht, möchten wir dem Ungehorsam urbaner Freundinnenschaften nachspüren. Wie gestaltet sich kollektives, koproduzierendes Arbeiten als solidarisches Sich-Bekennen zueinander – als Kooperation, statt Konkurrenz? Was macht Freundinnenschaften zu einer Widerstandspraktik? Und wie kann das gemeinsame Sorgetragen füreinander, das uns nahe sein, zu einem Weben von neuen Vorstellungen der Welt werden?

Unser Manifest lädt ein, unseren Chor an Stimmen zu einem Kanon werden zu lassen, unbändig und ungehorsam gegenüber Vereinzelung und Atomisierung. Es fragt nach einem gemeinsamen und gemeinschaftsschaffenden neuen Stadtvokabular. Es fordert auf, widerständige Ressourcen und Praktiken zu teilen und vielleicht sogar zu Akteur*innen zu werden, die die Stadt gerechter, feministischer, anti-rassistischer und freundinnenschaftlich gestalten.


Vorgeschlagene Zitierweise:
Akteurinnen für urbanen Ungehorsam (2026): Freundinnenschaft macht Stadt! Ein feministisches Manifest
zum Städte Erforschen durch Freundinnenschaft.
In: Geo-Rundmail, Nr. 103. S. 18-23.

Publikation:
Geo-Rundmail

Credits:
Akteurinnen für urbanen Ungehorsam